16. Dreiländerkongress „Pflege in der Psychiatrie“


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„Et cetera PPP: Psychopathologie, Psychotherapie, Psychopharmakologie“

Psychiatrische Pflege ist natürlich ganz viel mehr als diese drei P’s. Psychiatrische Pflege ist Beziehungs- und Kommunikationsarbeit, ist Dabeisein und ist bisweilen auch „Mädchen für alles sein“. Psychiatrische Pflege braucht es in psychiatrischen Kliniken, in somatischen Krankenhäusern, in Altenheimen, zu Hause in der direkten Lebenswelt von Nutzenden und über alle Lebensphasen hinweg. Zunehmend wird Psychiatrische Pflege auch digital ortsungebunden angeboten und genutzt. Der zentrale Fokus der psychiatrischen Pflege liegt dabei meist auf der Begleitung und der Unterstützung im Umgang mit den Folgen von Krankheit im Alltag der betroffenen Personen und deren Umfeld.

Psychiatrische Pflege ist aber auch ein therapeutischer, psychodynamischer Prozess, in dem es darum geht zu erkennen, zu klären und ein Verständnis für die Patientensituation zu entwickeln, zu kommunizieren, zu intervenieren, zu reflektieren und die Wirkung der Pflege zu evaluieren. Die drei „P‘s“ liefern hierzu eine wichtige Wissensgrundlage. Zudem ist psychiatrische Pflege eine wichtige Säule in medizinisch – pflegerischen Diagnostik-Prozessen sowie per Definition untrennbar mit psychotherapeutischen Aspekten verbunden. Psychiatrische Pflege übernimmt ebenfalls beim Thema Medikation mehr Aufgaben als ihr allenthalben lieb sein kann. Sie beobachtet Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten und ist wichtiges Bindeglied zwischen Patienten und ärztlichem Dienst, um Informationen weiter zu tragen und die sichere Medikation zu gewährleisten. Auch hierzu sind die drei „P‘s“ unabdingbare Grundlage.

Gleichzeitig ist es aber so, dass der Arzt für die medizinische Diagnose und Medikation sowie für die verordnete Therapie verantwortlich ist und der Psychotherapeut Psychotherapie durchführt. Die psychiatrische Pflege im deutschsprachigen Raum wird bisher – bis auf einige wenige interessante Ausnahmen – nur indirekt in die medizinische Diagnostik und Therapie einbezogen und kann psychotherapeutische Interventionen nur implizit und nur mit wenig politischer Unterstützung durchführen.

So erleben wir im Hinblick auf die drei „P‘s“ in der psychiatrischen Behandlung viele Diskrepanzen, aber auch Entwicklungsmöglichkeiten. Wir sehen, dass in der Schweiz das Erlernen eines fundierten klinischen Assessments auf Masterstufe sowie Kompetenzen in der Differentialdiagnostik in der Praxis immer häufiger gefragt sind. Denn dies stellt sicher, dass Pflegefachpersonen genau wissen, was zu tun ist und dies umfassend mit den Patienten besprechen und abgleichen können. Im Hinblick auf die Diagnostik scheint zudem die Trennung zwischen Pflegediagnosen und medizinischen Diagnosen nicht immer für alle leicht nachvollzieh- oder umsetzbar. Wir stellen zudem beispielsweise fest, dass es in Finnland selbstverständlich ist, dass psychiatrisch Pflegende nach entsprechender Ausbildung als Verhaltenstherapeuten tätig werden können. Auch in Deutschland gibt es eine Reihe von psychotherapeutischen Programmen, die ohne die Mitarbeit von Pflegenden nicht zur Umsetzung kommen können. In England verschreiben psychiatrisch Pflegende Medikamente oder können diese weiterverschreiben. Und auch hierzulande wissen wir, dass es nicht nur auf den Arzt ankommt, wenn es darum geht, dass die medikamentöse Therapie so gestaltet ist, dass sie wirkt und zum Leben des Patienten passt.

All dies hat zur Folge, dass innerhalb der psychiatrischen Pflege Diskussionsbedarf darüber entsteht, was heute schon Inhalt der psychiatrischen Pflege von morgen ist und was zukünftiger Inhalt sein soll, um den künftigen Anforderungen und der Rollenentwicklung gerecht zu werden.

Weitere Infos: www.dreilaenderkongress.at